Organisation des Mathematikunterrichtes an unserer Schule

Der Mathematikunterricht wird an unserer Schule seit ihrem Bestehen in Leistungsgruppen (LG) erteilt. Diese Form des leistungsdifferenzierten Unterrichts, der bei uns anfangs als Schulversuch „Integrierte Gesamtschule“ erprobt wurde, ist schon vor Jahren ins österreichische Regelschulwesen übernommen worden.

Nach einigen kleineren Reformen in der Vergangenheit trat 2001 ein neuer Lehrplan in Kraft, der sowohl organisatorisch als auch inhaltlich einige gravierende Neuerungen mit sich brachte.

Ein wesentlicher Punkt ist die vorgegebene Aufteilung des Unterrichts in zwei große Bereiche mit folgenden Inhalten:
--> In zwei Dritteln der Unterrichtszeit soll der sogenannte Basisstoff erarbeitet werden, das Grundwissen, die Grundfertigkeiten der Mathematik werden hier vermittelt.
--> Im verbleibenden Drittel wird der Erweiterungsstoff angeboten, dies kann je nach Unterrichtsgruppe Übungs- oder Vertiefungsphase, Mathematik in Projektarbeit, Behandeln aktueller Themen, explorative Mathematik u. a. bedeuten.

Gleichzeitig wurde die Anzahl der vorgesehenen Schularbeiten von bisher 3 pro Semester auf nunmehr 2 reduziert, eine sehr sinnvolle Einschränkung gerade in Hinblick auf vermehrte Projektarbeit, bei der gewonnene Erfahrungen zwar sicherlich bewertet, aber nur schwer in Form konventioneller Schularbeiten überprüft werden können.

Vergleichen mit Anderen

Seit 2005 sind wir als Projektschule Teilnehmer an der Erprobung der „Bildungsstandards“. Dabei zeigen uns die Rückmeldungen, dass wir mit unserem Mathematikunterricht im Österreichischen Spitzenfeld dabei sind.

e-learning

Als Ergänzung zum Mathematik-Unterricht steht den Schülern auf meiner Lernplattform für alle Schulstufen eine Sammlung nützlicher Links, digitaler Arbeitsblätter und online-Übungen zur Verfügung. Viele Bereiche der Mathematik können so jederzeit selbsttätig geübt werden und stellen so einen wertvollen Fundus an Übungsmaterial dar. Da sie zumeist auch sofort Rückmeldung über die Richtigkeit der Lösung geben kann man sie duchaus als "digitalen Nachhilfelehrer" bezeichnen.

Rechenhilfsmittel im Mathematikunterricht

Denke ich an meine Schulzeit zurück, hat sich doch vieles gravierend verändert. In damaligen Mathematikbüchern fanden sich lange Tabellen, in denen Wurzel- und Quadratzahlen nachzuschlagen waren, je nach Lehrer und Schulstufe durfte man den Rechenschieber als Hilfsmittel anwenden. Die meisten Berechnungen mussten jedoch sehr mühsam und zeitaufwändig „zu Fuß“ berechnet werden, Menge und Vielfalt der Problemstellungen und gelösten Beispiele waren demzufolge eher gering.

Heute stellt sich uns eine ganz andere Situation dar: Schüler verwenden von der 3. Klasse an den Taschenrechner, ab der ersten Klasse dürfen sich Schüler mit Trainingsprogrammen am Computer beschäftigen, die Anwendung der Tabellenkalkulation ist Bestandteil des Mathematikunterrichtes, Grunderfahrungen der Geometrie werden nicht nur mit Zirkel und Geodreieck, sondern auch mit geeigneter Software, wie z.B. dem Programm geogebra, erarbeitet.

Schularbeiten am Computer zu schreiben ist nicht nur vorstellbar, sondern in einzelnen Gruppen bereits realisiert worden.

Die neuen „Hilfsmittel“ rufen naturgemäß auch Kritik hervor – „Die Schüler können nicht mehr Kopfrechnen “ ist einer der Vorwürfe, die häufig zu hören sind. Gleichzeitig wird von den Eltern oft festgestellt, daß man den Kindern deshalb nicht mehr helfen könne, weil man „ das “ in der Schule damals nicht gelehrt habe.

Genau darin liegt auch die Erklärung: Hat man seinerzeit zwar möglicherweise über hohe Rechenfertigkeit verfügt, so hielt sich aber dabei oft die Vielfalt der Inhalte und Problemstellungen in Grenzen.

Heute kann man durch die eingesparte Zeit bei langwierigen mechanischen Berechnungen ein Mehr zugunsten verschiedener Problemstellungen sicherlich gerne in Kauf nehmen.

Mathematik als Schlüsseltechnologie

Mathematik ist eine Schlüsseltechnologie des Informationszeitalters. Unzählige Bereiche des modernen Lebens werden nur durch komplexe mathematische Verfahren ermöglicht wie z. B.: Kodierung und Dekodierung, Datensicherheit, Datenkompression, Verkehrssteuerung, Flugsicherung- und Überwachung bis hin zu so selbstverständlich verwendeten Dingen des täglichen Lebens wie Handies, Videorecordern, MP3-Playern.

Einerseits wurde zur Entwicklung der jeweiligen Technologie ein nicht geringes Maß an Mathematik benötigt, andererseits bedürfen Bedienung, Verwendung und Programmierung vieler technischer Geräte teilweise beachtliches mathematisch-logisches Verständnis.

Um in unserer komplizierten, hochtechnisierten Welt bestehen zu können, brauchen unsere Jugendlichen zusätzliche Qualifikationen – neben dem herkömmlichen Rechnen sollten unsere Schüler lernen, sich auf kreative, mitunter auch spielerische Weise, mit dem Lösen vielfältigster Aufgaben zu beschäftigen.

Handlungsabläufe skizzenhaft darzustellen, Lösungswege in eine mathematisierte Form zu bringen, aus Versuch und Irrtum zu lernen, Ergebnissen kritisch gegenüberzustehen, ein Gefühl für Zahlengrößen zu bekommen, Interesse, Freude aber auch Ausdauer zu wecken, sollte oberstes Ziel eines modernen Mathematikunterrichtes sein.

Dem diametral gegenüber steht eine Mathematik, die Kochrezepte vermittelt, die auf Drill aufgebaut ist, die keine Lösungsfreiräume als die vom Lehrer vorgegebenen erlaubt, die keine neuen Medien einsetzt, die im Schüler eine Mischung aus Angst, Panik, Aggression und Langeweile hervorruft.

Mathematik „...ist, was die Welt im Innersten zusammenhält.''

Johann Wolfgang von Goethe: Faust , Der Tragödie erster Teil, Nacht, erster Monolog.

Werner Wiltsche